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Seed Of Pain – Red Suns

(Hardcore / Dark-Wave)

Schokolade und Bergmassive. Die Schweiz ist ein schönes Land: Unabhängig, reich an kulinarischen Genüssen und schönen Landschaften. Was Musik, insbesondere Hardcore angeht, ist das Alpenland aber noch ein ehr unbeschriebenes Blatt. Selten schwappt etwas über die Landesgrenzen hinaus, ehr hat es den Anschein, als wolle man unter sich bleiben. Seed Of Pain gehören seit einigen Jahren zu den Schweizer Bands, die sich auch in Deutschland einen Namen gemacht haben. Mit „Red Suns“ erscheint nun das zweite Album der Luzerner über das bandeigene Label Edition Gris.
Von einem elektronischen Beat getrieben leitet „Aurora“ das Album verstörend ein. Schon zu Anfang wird eine düstere Stimmung geschaffen, welche durch die tiefe Stimme und den emotionalen Gesang von Sänger Matthias getragen wird. Auch die Lyrics steuern zu dieser eindringlichen Stimmung einen nicht gerade geringen Teil bei: „No witness, no last salute. A life becomes silent.“
Im nachfolgenden und wieder sehr affektgeladenen „She“ blitzen die Hardcorewurzeln von Seed Of Pain, insbesondere im Gesang, das ein oder andere Mal durch. Das verleiht dem Lied eine enorme Intensität, die im Zusammenspiel mit der Instrumentierung zu einer dichten und nahezu drückenden Atmosphäre führt.
Fast schon kurzweilig wirkt hingegen „Haven“. Gleichermaßen roh wie aber auch eingängig präsentiert sich der Song in seinen dreieinhalb Minuten. Die elektronischen wie auch atmosphärischen Einschübe, die man in Stücken wie „Stimulus“ oder „Silence Is Golden – Silence Is Death“ vorgefunden hat, sind hier auf das Minimalste reduziert worden und so stehen verzerrte Gitarren im Vordergrund.
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Live Review: Loma Prieta und Birds In Row


Rot, Schwarz, Grün und Gelb: Farbe bekennen, das konnte man in Niedersachsen, und so auch in Göttingen, vergangenen Sonntag. Es waren nämlich Kommunalwahlen. Nicht gerade farbig aber war an diesem Tag der Himmel über Norddeutschland: Es goss aus Eimern und das eigentlich den lieben langen Tag. Damit man aber nicht in den eigenen vier Wänden stecken bleiben und Tatort gucken musste, konnte man im örtlichen Jugendzentrum zwei ohne Frage herausragende Bands bestaunen: Loma Prieta aus Kalifornien und Birds In Row aus Frankreich.
Birds In Row gastierten bereits im Frühling in der Universitätsstadt und hatten damals zahlreiche Gäste mehr als nur überzeugt, weswegen sie jetzt mit offenen Armen empfangen wurden. Die Franzosen servierten auch an diesem Abend äußerst druckvollen, düsteren Hardcore der hin und wieder gar zum Crust oder Sludge neigte. Ganz ohne Zweifel sind Birds In Row eine außergewöhnlich starke Liveband, die förmlich den Putz von den Wänden spielt und eine der wohl intensivsten Macharten modernen Hardcores auftischt, die man momentan in Europa zu hören bekommt. Leider gab es aber auch dieses Mal erneut technische Schwierigkeiten: War es im April der Bassverstärker, der am Ende des Sets den Geist aufgegeben hatte, so war es dieses Mal der Gitarren-Amp, der nicht so wirklich wollte. Nach knapp einer halben Stunde, die überwiegend mit Songs der 12“ „Cottbus“ gefüllt wurde, ging bei den Amps endgültig das Licht aus und das Publikum war wieder einmal beeindruckt. So musste die Band wiederwillens noch eine, wenn kurze, Zugabe spielen.
Loma Prieta waren das erste Mal in Göttingen zu Gast, zumindest teilweise. Gitarrist Brian war bereits im Juli mit seiner anderen Band Punch vor Ort gewesen und befindet sich anscheinend dauerhaft auf Tour. Im Gegensatz zu Birds In Row spielten Loma Prieta Screamo, und zwar im besten Sinne des Wortes: Schnell, brutal und emotional. So spielte man das Set aus elf Songs in knapp 20 Minuten runter. Das ist jedoch keineswegs schlecht, sondern zeugte von einer enormen Intensität. Dass am Ende dann eine Steckerleiste den Geist aufgegeben und den Bassverstärker sowie die Bühnenbeleuchtung gleich mit in die stromlose Finsternis gezogen hat, fiel da nicht allzu sehr ins Gewicht. Der Eindruck den Loma Prieta hinterlassen haben war, wie auch zuvor bei Birds In Row, ein bleibender.
Göttingen holt auf, was Konzerte angeht, das ist mir an diesem Abend bewusst geworden. Nachdem man im Frühjahr schon großartige Bands wie MNMNTS oder Julith Krishun zu Gast hatte, und im Sommer gar Punch, legte man nun noch einen drauf. Die Überschrift auf dem Flyer “probably the best lineup ever” halte ich zwar nicht für ganz berechtigt, aber sehr gut war es trotzdem. Von mir aus kann es gerne so weitergehen und das äußerst gut gefüllte Juzi sprach an diesem Abend wohl eine mehr als eindeutige Sprache.

Punch – Nothing Lasts

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(Hardcore-Punk/Trash)

Punch befinden sich momentan auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. Zwei Jahre in Folge tourte Band ausgiebig durch Europa, spielte das Fluff Fest und zog jedes Jahr mehr und mehr Menschen vor die Bühne. Die 7“ „Nothing Lasts“ markiert diesen Höhepunkt auf musikalische Art und erscheint über Deathwish Inc. und Discos Huelga.
Punch gehören zu der Sorte von Bands, die kontinuierlich und ohne Kompromisse ihr Ding durchziehen und dabei von Mal zu Mal besser werden. Der Opener „Do It Yourself“, sowohl eine Ode an die in der Punk- und Hardcore-Szene verbreitete Lebensart, wie aber auch an jeden einzelnen die Sachen, die ihm am Herzen liegen, selbst in die Hand zu nehmen, zeigt dies auf eindrücklichste Weise innerhalb von anderthalb Minuten: „Stop waiting for things to happen. Only you can make a change.“
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Live Review: The Carrier, All Teeth, Landscapes

Das letzte Konzert einer zweiwöchigen Tour. Durch halb Europa gefahren. Jeden Abend gespielt, jeden Abend alles gegeben. Ist da noch eine Leistung zu erwarten, die zufrieden stellt? Das waren Fragen, die ich mir vor dem Konzert von The Carrier, All Teeth und Landscapes in Hannover stellte.
Der Sommer lies mal wieder zu wünschen übrig an diesem Freitag, die Ferien in Niedersachsen und einigen anderen Bundesländern neigten sich dem Ende zu und rund um Hannover hatte man mit enormen Staus zu rechnen. Auch Landscapes, die dummerweise die komplette Backline im Van hatten, wurden Opfer dieser Rückreisewelle. So konnte die Show leider erst am halb 11 beginnen, was ziemlich spät war. Die Briten spielten deswegen, und vielleicht auch wegen der Tour-End-Depression, nur fünf Songs. Die einen mögen behaupten, dass sei schwach gewesen, aber Landscapes gingen trotz sichtlicher Erschöpfung mit ganzem Einsatz in die Sache ran. Da war es kein Wunder, dass das vom Publikum mit Mosh-Pit und großem Applaus belohnt wurde. Aber schon hier war der Saal im UJZ Korn erhitzt bis unter die Decke, denn es waren erstaunlich viele Leute da, vergleicht man es mit anderen Konzerten in Hannover.
Nachdem man zwangsweise ein bisschen Luft nach diesem durchweg guten Auftritt geschnappt hatte, gaben sich All Teeth die Ehre. Im Vorfeld hatte ich nur Gutes über die Auftritte der Jungs aus Kalifornien gehört und war so sehr gespannt. Um so mehr überrascht war ich, als schon bei den ersten Riffs des Openers die Menge vollkommen am Toben war! Das habe ich bis jetzt selten bei einer Band erlebt, die zum ersten Mal in Europa auf Tour war. Schade war es da, dass gegen Ende des Sets, besser gesagt bei den letzten drei Songs, das Mikrophon den Geist aufgegeben hat und das ganze so zu einem Instrumentalkonzert wurde. Was aber auch durchaus gefallen hat, muss man schon sagen. Schade war es wie gesagt aber dennoch, auch wenn fleißig weiter gemoshed und die Band zurecht (!) gefeiert wurde.
Zum Schluss waren The Carrier an der Reihe und der Saal war gefüllt bis unter die Decke, zu gleichen Teilen mit Hitze, Schweiß und Menschen. Der Sänger von The Carrier, der schon zu vor bei All Teeth einen kleinen Gastauftritt und in der Menge ordentlich die Raserei ausgepackt hatte, war sichtlich angetrunken und war so kaum noch fähig, irgendeinen Song ohne lallende Töne zu produzieren. Muss das sein? Ein oder zwei Bier vor einem Auftritt sind vollkommen okay um sich etwas aufzulockern, aber muss es so viel sein, dass man alles kaputt macht, und das auch noch als Band und vor allem Hauptact des Abends, auf den sich viele gefreut haben? Ich glaube The Carrier haben den Aufdruck eines ihrer Shirt, „Drinking Crew“, viel zu ernst genommen an diesem Abend und das ist schade. So war der Auftritt leider nur enttäuschend und alles andere als gut.
Insgesamt aber war es dennoch eine der besseren Shows in Hannover, mit zwei guten Vorbands, die die Enttäuschung über die The Carrier mehr als wett gemacht haben.