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Interview: Midnight Souls

Miage

Im Zuge des Pazzo Shows Fest 2010 Hannover stand mir Donny, Sänger von Midnight Souls, Rede und Antwort.

Patrick: Eure erste EP „Colder“ ist seit Oktober erhältlich. Wie fühlt es sich an und wie waren die Reaktionen der Menschen da draußen?

Donny: Uns wird erst jetzt, nach ein paar Monaten klar, dass wir etwas herausgebracht haben, was für immer Bestandteil der Szene werden wird, in welcher wir aufgewachsen sind. Wir alle hören die meiste Zeit unseres Lebens Punkrock. Wir sind auf Shows gegangen, haben Platten gekauft und jetzt sind wir am anderen Ende, die Leute kommen um uns sehen und unsere Platten zu kaufen. Das ist ein komisches Gefühl.
Aber wir sind sehr stolz auf unsere Platte. Wir haben unseren Herzen und Seelen darein gesteckt um die beste EP zu machen, die wir zu dem Zeitpunkt hätten machen können. Die Reaktionen der Leute sind positiv ausgefallen, manche sogar unglaublich. Allein der Gedanke, dass Leute auf der anderen Seite der Welt unsere Musik hören ist fantastisch. Das gibt uns die Chance tolle Konzerte mit Bands zu spielen die wir mögen.

Patrick: Wie hat das mit Midnight Souls angefangen?

Donny: Alles hat damit angefangen, dass Bert und ich eine Band starten wollten. Wir haben uns ein paar Leute zusammengesucht und angefangen Songs zu schreiben. Das Ganze ist jedoch erstmal gescheitert, da manche Leute nicht so viel für die Band aufbringen wollten wie wir. Wir haben dann neue Mitglieder gesucht und ein Punkrock Projekt mit dem Namen „Kaufman“ gestartet, doch das kam nie über den Proberaum hinaus, da wir keinen gescheiten Sänger finden könnten und ich damals noch Gitarre spielte. Einige Zeit später wollten wir es erneut mit einer Hardcore-Band versuchen und haben auch die richtigen Leute gefunden, eine Demo aufgenommen und Tonnen von Shows in Belgien gespielt. Die Demo war wirklich schnell ausverkauft, aber man kann sie noch auf unserer Myspace-Seite und diversen Blogs herunterladen.

Patrick: Wie seit ihr auf „Midnight Souls“ als Name gekommen?

Donny: Der Name kommt von einem Song der Band M83 mit dem Titel „Midnight Souls Still Remain“. Wir wollten einen Namen haben, der das Gefühl unserer Musik repräsentiert. Wir haben alle nach einem Namen gesucht und an einem regnerischen Sonntag kam Bert mit diesem Vorschlag zur Probe.

Patrick: Um was dreht sich eure EP „Colder“? Steckt ein Konzept hinter den Songs?

Donny: Für jeden von uns bedeutet der Inhalt etwas anderes. Wir alle haben unsere schlechten Tage gehabt, dass Gefühl dem entkommen zu wollen, was uns zu Boden drückt. Den Zirkel zu durchbrechen, der einen gefangen hält. Für mich persönlich geht es darum in einer Stadt aufzuwachsen, wo man sich nicht wirklich zuhause fühlt. Ich habe die meiste Zeit allein in meinem Zimmer verbracht, Musik gehört und mir gewünscht woanders zu sein oder jemand anderes zu sein.

Patrick: Ihr seid bei Reflections Records unter Vertrag. Wie ist es dazu gekommen?

Donny: Ich kenne Johan, den Chef des Labels, schon eine ganze Weile und als wir mitten in den Aufnahmen zu der EP steckten, habe ich ihn kontaktiert. Ich habe ihm dann unsere alte Demo geschickt, ein paar scheußliche Aufnahmen der neuen Songs und eine Biografie mit den Plänen für die EP und die Zukunft. Er war interessiert und wollte uns gerne live sehen. Nachdem wir ihm die fertige Platte mit Artwork geschickt hatten war er dabei und der Rest ist Geschichte.

Patrick: Das Artwork ist von Linas Garsys, der ja schon für Ceremony, Ruiner und American Nightmare gezeichnet hat. Wie ist es dazu gekommen, dass er für euch gezeichnet hat?

Donny: Wie auch schon bei unserem Namen war es so, dass wir ein Artwork brauchten, dass das Gefühl unserer Musik widerspiegelt und so war es schwer die richtige Person für den Job zu finden. Wir haben viel ausprobiert, aber nie kam etwas dabei raus, was uns zufrieden gestellt hat. Dann fingen wir an über Linas Garsys zu sprechen. Wir sind alle große Fans von American Nightmare und Ceremony und er wusste immer genau, wie man den Geist der jeweiligen Band im Artwork widerspiegelt. Wir haben ihm also unsere Musik geschickt und gefragt, ob er interessiert sei und er sagte ja. Einige Zeit später schickte er uns das Design. Wir selber hätten es nicht besser machen können!

Patrick: Habt ihr irgendwelche Vorbilder oder Bands, von denen ihr euch inspiriert fühlt?

Donny: Ich glaube das würde eine endlose Liste werden, aber hier eine kurze Auswahl: Elliott Smith, Bruce Springsteen, Morrissey, Joy Division, The Cure, Deathcab For Cutie, Slayer, American Nightmare, Modern Life Is War, Creedence Clearwater Revival, Foo Fighters..

Patrick: Gibt es irgendwelche Bands, mit denen ihr gerne mal zusammenspielen wollt?

Donny: In den vergangenen zwei Jahren hatten wir einige Gelegenheiten mit Bands zu spielen die wir gut finden. Wir sind eine Band, die gerne live spielt und es ist uns egal, ob das bei einem Festival mit vielen anderen guten Bands ist oder in einem Keller nur mit ein paar Freunden.

Patrick: Was für Pläne habt ihr für das kommende Jahr?

Donny: Wenn alles gut läuft werden wir eine Split mit Xerxes aus Amerika machen. Die sind wirklich gut und man sollte sich ihre Platte mal anhören! Wir werden etwas Besonderes für diese Split machen, aber darüber möchte ich jetzt noch nicht reden.
Dann werden wir im März mit Lasting Traces auf Tour gehen und eine menge Shows in Deutschland spielen, also kommt alle rum! Nach der Tour gehen wir zusammen mit anderen Bands von Reflections Records, unteranderem Ritual und No Turning Back, auf eine Tour durch ganz Europa.
Außerdem werden wir noch anfangen unser erstes Album zu schreiben und eventuell im Sommer noch auf eine kleine Tour gehen. Es wird also ein sehr stressiges Jahr!

Patrick: Was waren eure größten Erlebnisse 2010?

Donny: Für die Band hätte das Jahr nicht besser laufen können. Es ist so viel großartiges passiert: Wir haben unsere EP auf einem tollen Label herausgebracht, wir haben viele Shows gespielt, wo die Leute ausgeflippt sind und wir haben viele neue Freunde in vielen Ländern gewonnen und auch tolle Städte kennengelernt. Selbst die schlechten Zeiten waren irgendwie großartig. Wir sind ja heute erst 8 Stunden nach Hannover gefahren, um hier eine Show zu spielen. Normalerweise dauert die Fahrt nur halb so lang, aber es war trotzdem ein toller Abend und wir hatten Spaß.
Auf der persönlichen Seite haben einige von uns dieses Jahr ziemlich harte Zeiten durchgemacht. In einer Band zu sein frisst ziemlich viel Zeit und übt Druck auf unsere Beziehungen aus. Das ist alles nicht immer einfach.

Patrick: Ihr habt jetzt einige Shows in Deutschland gespielt, was denkt ihr über die Szene hier zu Lande? Gibt es Unterscheide zwischen Belgien und hier?

Donny: Ich weiß nicht, wenn wir in Belgien spielen sind immer eine menge Leute die wir kennen auf den Shows und die meisten anderen Bands kennen wir auch. Einige kommen sogar zu jeder unserer Shows. In Deutschland ist es immer wieder eine Herausforderung. Neue Gesichter, neue Orte, es ist jedes Mal wie ein Neuanfang wenn wir hier spielen. Aber das ist gut und gefällt uns. Wir sind in Belgien bekannt und wollen das gleiche jetzt auch im restlichen Europa schaffen.

Patrick: Was denkst du aber Lebensstile wie Straight-Edge oder die so genannte „God-Free-Youth“?

Donny: Jeder kann an das Glauben was er will und so leben wie er möchte, solange er die Leute um sich herum respektiert. Einige in unserer Band trinken Alkohol, andere nicht. Wir kommen sehr gut miteinander aus und respektieren uns gegenseitig. Ich kann verstehen, wenn man jung ist, dass man Halt sucht und etwas, nach dem man sich richten kann. Straight-Edge und diese ganze DIY-Geschichte können einem da wirklich helfen und einigen Leuten geht es deswegen wirklich gut. Wenn man älter wird, dann findet man aber heraus dass viele dieser Lebensstile nur Hüllen sind um einem leeren Leben einen Sinn zu geben. Ich verspüre nicht das Bedürfnis mir ein X auf die Hand zu malen oder Lieder über Straight-Edge zu schreiben. Wenn ich keine Drogen nehme, dann ist das meine Entscheidung und sie geht auch nur mich etwas an. Ich habe es nicht nötig, anderen mitzuteilen, wie ich mein Leben lebe.
Wegen diesem God-Free-Youth-Ding.. Was für ein Problem haben diese Leute mit Gott? Ich glaube auch nicht an Gott, aber ich hasse auch nicht die Religionen und ihre Anhänger, weil sie es tun. Religion kann etwas sein, was einem durch das Leben hilft und ihm einen Sinn gibt. Ich habe eher Probleme mit Menschen, die wegen ihrer Religion Kriege beginnen oder Menschen Schaden zufügen. Es ist eben nicht die Pistole, die man fürchten muss, sondern den Menschen dahinter.
Ich glaube auch, dass manche Bands einfach eine Begründung brauchen, um ein umgedrehtes Kreuz auf ihrem Merch drucken. Wenn man sich schon lange in der Szene rumtreibt sieht man, wie Dinge kommen und gehen. Das ging von Krishna bis zum christlichen Gott. Und es war sogar mal populär den Koran in der Musik unterzubringen, nun sind wir gerade dabei zu sagen, dass Gott schlecht ist. Die Kids halten nach einer Identität Ausschau, schade nur dass die meisten irgendwelchen Trends folgen. Aber ich bin da auch nicht besser, wir schwimmen doch alle irgendwie im Strom.

Patrick: Irgendwelche abschließenden Worte?

Donny: Kauft die neue Platte von Together „The Odyssey“. Die ist großartig!

Interview: Ritual

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Im Zuge des The Rise Festivals am 07.08. in Hannover standen mir Ritual für ein paar kleine Fragen, insbesondere zu ihren kommenden Veröffentlichungen, Rede und Antwort.

Patrick: Im Oktober spielt ihr mit Unbroken in London. Freut ihr euch darauf, mit dieser ich sage mal „legendären“ Band zusammenzuspielen

Julian: Ist schön, ja. Also ich habe mich mega gefreut darüber. Also vor allen Dingen als wir herausgefunden haben, dass die halt überhaupt da spielen haben wir sie angeschrieben, ob wir auch spielen dürfen.

Pascal: Ja, du hattest ja schon immer Bock mit denen zu zocken, falls die mal wieder Shows spielen sollten. Und der Basser von Unbroken, Rob Moran, hat dann auch gleich als wir denen geschrieben haben gesagt „Ja, ihr seid dabei.“

Julian: Da war dann die Freude natürlich groß.

Patrick: Im April wart ihr auf Tour mit Ills aus Finnland. Wie war das für euch?

Julian: Ja, war super. Touren ist immer super. Wir touren ja auch mit vielen verschiedenen Bands und es ist eigentlich auch immer cool, mit anderen Bands unterwegs zu sein und die Ills sind da auch keine Ausnahme.

Pascal: Es war super entspannt, war auch mal bisschen ein anderer Sound, als ihn die meisten Bands hier im Umfeld haben. Hat Bock gemacht. Nette Jungs, gute Band.

Patrick: Und für die Zukunft, welche Band würdet ihr gerne mal mit auf Tour nehmen? Irgendwelche Vorstellungen, wen ihr gerne mal dabei haben würdet?

Pascal: Also so soundtechnisch sind wir da recht offen eigentlich. Das wichtigste ist halt, dass die Chemie stimmt.

Julian: Also ich könnte mir das spontan mit ziemlichen vielen Bands vorstellen.

Philipp: Mit Midnight Souls, das wäre super.

Julian: Ja, mit Midnight Souls aus Belgien wollten wir demnächst gerne mal spielen. Die sind jetzt auch kürzlich auf Reflections Records gelandet und letzte Woche haben wir die in Belgien kennengelernt, auf einem Festival. Total nett und auch eine ziemlich coole Band. Mit denen könnten wir uns vorstellen mal was zu machen in der nächsten Zeit.

Patrick: Nun zu eurer neuen Platte. Die 7“ heißt „Kissing Pavement“. Habt ihr irgendwelche speziellen Gedanken was die Songs angeht, steckt da ein Konzept dahinter?

Julian: Da hat sich jetzt per Zufall irgendwie ein Konzept offenbart, durch den Reflections Newsletter.

Philipp: Ne, das hab ich denen per Mail so geschrieben.

Julian: Okay. Also ein Song heißt „Greenest Meadows“ und der andere eben „Kissing Pavement“. Es ist halt von den Titeln her so ein Gegensatz, „Greenest Meadows“ natürliches und „Kissing Pavement“ urbanes.

Phillipp: Was man grundsätzlich sagen kann ist, dass wir selten mit einer Systematik vorgehen, also mit einem klaren Konzept. Gerade dass sich das durch Zufall dann ergibt, man rote Fäden erkennt und Metaphern in den Texten findet, die sich im Artwork wieder finden ist sehr spannend. Gerade bei der 7“ ist es so, dass die Songs aus der Schreibsession für das nächste Album stammen und unser Label hat eben angefragt ob wir nicht um die Wartezeit zu verkürzen und damit nicht so eine lange Lücken zwischen den Releases ist, nicht noch eine 7“ machen wollen. Und wir haben uns dann eben gefragt, welche von den Songs wir für die 7“ nehmen können. Dann haben wir eben festgestellt, dass die beiden Songs eben so die Brücke schlagen zwischen dem, was wir auf der LP vorhaben und dem, was man auf unserer letzten Platte vorgefunden hat. Diese ganze Ying-Yang-Symbolik in den Songtiteln, dass kam irgendwie erst im Studio als wir die Songs aufgenommen haben und das passte dann einfach super. Das Artwork wird auch ein Poster sein, dass wenn man es faltet aus sechs Quadraten besteht und das sind im Grunde sechs verschiedene, potenzielle Cover. Schwarzweiß Fotografien, die durch einen weißen Rahmen getrennt sind, auf welchen dieser Widerspruch zwischen natürlichen und urbanen Elementen widergespiegelt wird. Wir haben einerseits sehr kühle Bauten, fast schon menschenfeindlich wenn man es so will, fast gefängnishaft. Was aber tatsächlich Häuser sind, die so in der Münsteraner Innenstadt stehen. Ebenso dann aber ein Bild, da sprießt dann so ein bisschen grünes Unkraut aus dem Asphalt. Ich will da jetzt auch nicht viel von der Deutung vorweg nehmen, aber das fanden wir sehr spannend, diese Widersprüchlichkeit, die aber doch irgendwo zusammengehört und in welcher man eben seinen Alltag durchschreitet.

Julian: Wobei das auch mehr so die ästhetische Messege ist, die dabei so rumkommt.

Pascal: Du hattest ja auch gesagt, dass die Songs auch beide aus der Albumsession stammen, wobei das beim Ersten glaube ich gar nicht so ist. Den hatten wir meine ich mit Gedanken gerade für diese 7“ geschrieben.

Philipp: Ja, genau, wo wir eigentlich schon wussten das wir eben eine 7“ machen werden. Das stimmt natürlich, wobei da dann die Frage wäre, ob wir ihn nicht sonst auch geschrieben hätten. Das weiß man dann natürlich jetzt nicht mehr.

Julian: Jedenfalls wollte ich sagen, dass eben diese ganze ästhetische Sache mit dem Cover, das steht halt nicht unbedingt in Zusammenhang mit den Texten. Da kann man eben dann auch einiges für sich selbst rausfiltern.

Phillipp: Das meinte ich eben auch, dass es wichtig ist, dass alles eben nicht zu konzepthaft ist. Das es eben irgendwie noch intuitiv ist, einfach irgendwie kommt. Dann stellt man halt fest, dass das irgendwie passt, Artwork und Songs. Das ist es eigentlich, was den eigentlichen Spaß daran ausmacht.

Julian: Ja, genau.

Patrick: Okay, und was können die Hörer erwarten, wenn sie das neue Album hören? Was für Unterschiede gibt es da zu „Beneath Aging Flesh And Bone“?

Julian: Ja, wir werden viel experimentieren. Also die Songs die wir bis jetzt haben, haben halt schön Power, so wie wir das eben auch mögen und man es von uns kennt. Wir werden uns aber im Studio auch Zeit lassen und ein bisschen rumexperimentieren, sowie viele neue Instrumente mit einbauen, die halt nicht unbedingt etwas mit Hardcore und Punk zutun haben.

Pascal: Als finanziell abhängige Band ist man ja auch immer gebunden an Zeit und Geld, und da muss man halt gucken was man da mit seinen Mitteln schaffen kann.

Philipp: Also was ich finde, beim dem Material was wir uns bis jetzt so im Proberaum zusammengespielt haben, ist vor allem auffällig das es von der Songstruktur her nicht mehr so klar und fest ist wie beim letzten Album.

Julian: Es ist jetzt alles viel offener.

Philipp: Ja genau, die Songs sind jetzt irgendwie offener. Sie steigern sich in etwas rein und dann ist nicht mehr klar zu sagen dass da ist jetzt die große Explosion ist, sondern das funktioniert mehr über Spannungsbögen. Man kann halt nicht mehr sagen das jetzt der Part kommt, dann der Part und so weiter.

Julian: So sehe ich das auch, also wir versuchen auf jeden Fall etwas anders zumachen als bisher, damit das ganze auch spannend bleibt.

Patrick: Ja danke, das war‘s dann eigentlich auch schon.

Julian: Alles klar, cool.

Philipp: Vielen Dank für das Interesse!