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Rückblick: Pazzo Shows Fest 2010

Der Winter hat Deutschland fest im Griff. Ganz Deutschland? Oh ja, ganz Deutschland. Auch Hannover liegt unter einer dicken Schicht Schnee verborgen und das gerade am 18. Dezember, wo das Pazzo Shows Fest 2010 stattfindet.
Nachdem im August das The Rise Fest ein riesiger Erfolg war, wollten Pazzo Shows gegen Jahresende noch mal ordentlich die Sau rauslassen und hatten unteranderem Ritual, Coldburn und Midnight Souls geladen. Das Tiefdruckgebiet „Petra“, welches Deutschland eine Übermenge der weißen Pracht bescherte, machte der Veranstaltungen leider einen kleinen Strich durch die Rechnung: Nicht nur die Bands waren, wie Midnight Souls berichteten, gefühlte zwei Wochen unterwegs, sondern auch die Zuschauer und so war der Saal im GiG, im hannoverschen Stadtteil Linden, zu anfangs nur sporadisch gefüllt. The Waste Of Effort, die den Abend eröffneten, machten aber das Beste draus. Die noch sehr junge Band spielte ein kurzes, aber knackiges Set mit einer Coverversion des Have Heart-Klassikers „No Roses, No Skies“ und wusste damit zu überzeugen, auch wenn das Publikum noch nicht so recht in Fahrt kommen wollte. Das lag vermutlich aber auch an den eisigen Temperaturen dieses grauen Wintertages. Detroit, die extra aus Italien eingeflogen worden, konnten gegen diese Kälte auch nicht viel ausrichten. Selbst die energiegeladene Show und der äußerste poppige, nach Sommer klingende Hardcore halfen nicht viel, um die merklich vom Winter gezeichneten Gesichter der inzwischen doch schon zahlreicher gewordenen Zuschauer zu begeistern. Die Belgier von Midnight Souls, die jüngst ihre hervorragende EP „Colder“ veröffentlicht haben, schafften es im Anschluss zumindest mit der wohl mitreißendsten Performance des Abends etwas die Köpfe und Körper zum Wippen zu bringen und werden sicher auch im kommenden März hier in Hannover überzeugen können, wenn sie mit Lasting Traces im Stumpf zu Gast sind. Metallischen Hardcore servierten Coldburn, welche kurzfristig für Locked In einspringen mussten, die leider nicht nach Deutschland kommen konnten. Coldburn machen Hardcore, der in diesen Tagen viel Anklang findet: Hart, tough, aber nicht gänzlich ohne Hirn präsentieren sich die Leipziger und wussten so durchweg zu gefallen. Ob sie dem Publikum gefallen, das wäre den Jungs von Against Your Society sicher egal, selbst in Unterbesetzung. Die Band hat mit ihrer aktuellen LP „Eroded By The Breeze“ bewiesen, dass es keine Kompromisse braucht, das Hardcore immer noch Punk ist und so lautete auch an diesem Abend das Motto: Keine Kompromisse und schon gar keine Gefangenen. Ritual, die ja schon beim Rise Fest im August einer der Hauptacts waren, mussten ihr Können genau so wenig unter Beweis stellen wie AYS zuvor und spielten eine gewohnt gute und emotionale Show. Da darf man gespannt sein, was die Jungs aus Recklinghausen und Münster auf ihrem neuen Album so alles für Überraschungen parat haben werden.
Insgesamt war das Pazzo Shows Fest 2010 durchweg gelungen. Die Bands stimmten, die Location stimmte, nur das Publikum, das hätte teilweise etwas mehr Präsens zeigen können. Ob man da dem Winter die ganze Schuld in die Schuhe schieben kann?

Rückblick: The Rise Fest

Das The Rise Fest am 7. August fand dieses Jahr zum ersten Mal statt und punktete schon jetzt mit Bands wie Ruiner, Just Went Black oder Ritual, um nur einige hochkarätige Acts zu nennen. Die Location, das Kulturzentrum Bad, gelegen in den idyllischen Herrenhäuser Gärten in Hannover war dabei auch nicht schlecht gewählt. Organisatorisch gibt es deswegen erst einmal wenig zu beklagen, außer dass das Essen der Vegan Fast Food Crew aus dem Ruhrgebiet bereits nach knapp drei Stunden ausverkauft war und man so mit leerem Magen den Rest des Tages verbringen durfte. Da halfen auch die ab den Abendstunden angeboten Pommes nicht viel weiter. Wie dem auch sie, musikalisch ging es mit Komatoz aus Russland los. Leider erschien mir diese Band etwas deplatziert auf diesem Festival, denn der ziemlich crustig und metallisch klingende Hardcore lockte nicht viele Fans vor die Bühne. Schade für die Band und auch für den Veranstalter. Die Lokalmatadoren von Get The Point hingegen machten es da schon besser: Strickt nach vorne gespielter, ab und an auch melodischer Hardcore, der zwar durchaus ausbaufähig ist, aber dennoch an manchen stellen zu begeistern wusste. Dadurch, dass die Hannoveraner aber noch recht jung sind, lässt sich da sicher mit steigender Erfahrung noch ordentlich Defizit wett machen. Ein wirklich solider Auftritt. The Vaders aus Ibbenbühren schafften es an diesem Tag als erste, das Publikum wirklich aktiv mit einzubeziehen. Die Band wusste vor allem durch die Sing-A-Long Parts zu begeistern, was Deny Everything im Anschluss noch etwas ausbauten. Deny Everything, die sich ja im Oktober auflösen werden, legten eine erstklassige Show auf‘s Parkett. Die Band präsentierte sich energievoll und gab alles. Das gefiel auch den Zuschauern, die bei Songs wie „You And You‘re Freinds Are Dead“ ordentlich Rabatz machten. Patsy O‘hara taten es ihren Vorgänger gleich und gingen mit voller Kraft ran ans Werk, zwar hatten sie es bei den Zuschauern nicht ganz so leicht, wussten aber trotzdem das Eis zu brechen und die Masse in Bewegung zu versetzen. Am späten Nachmittag überzeugten Tacklebbery nicht nur musikalisch, sondern auch von der Bühnenshow her. Nachdem Frontmann Hannes eine kurze Kussszene mit einem Herren aus den Publikum hatte und anschließend mit charmanten und witzigen Ansagen die restlichen Zuschauer um den Finger gewickelt hatte, gab es bei „Me and the Piskit“ kaum noch ein Halten. Einer der gelungensten Auftritte an diesem Tag! Die Hamburger von Just Went Black sind längst alte Hasen in der deutschen Hardcore-Szene und schon nach den ersten Akkorden des Openers „The City Lights“ hatten sie die Zuschauer vor der Bühne fest in ihrer Hand. Es folgten alle bekannten Stücke der Band, von „Withered (A Goodbye)“ bis zu „The Middle of Nowhere“ von der aktuellen Crossroads 7“. Es blieb also gewiss für Anhänger der Band kein Wunsch offen. In der Dämmerung spielten Goldust ein recht kurzes, aber dennoch spannendes sowie druckvolles Set, das beim Publikum trotzdessen, dass die Musik der Band aus Münster im Gegensatz zu denen vorher ehr schwere Kost war, sichtlich gut ankam. Ritual, die gleich im Anschluss spielten, legten eine routiniert wirkende und gewohnt tolle Show hin, kein Wunder dass die Jungs da im Oktober mit Unbroken in London spielen dürfen! Schade nur, dass es dieses mal keinen Song wie „Take Heart, Stay Punk“ oder „Actress, Little Actress“ von der ersten LP der Recklinghäuser zuhören gab. Einer kleiner, wenn auch zu verzeihender Wermutstropfen. Die eigentlichen Headliner des Tages waren Ruiner, welche vor dem eigentlich Hauptact, nämlich Carpathian, spielten. Ruiner aus Baltimore befanden sich auf ihrer letzten Tour und ziehen nun mit Bands wie Verse oder Go It Alone gleich, die sich auf ihren Höhepunkten aufgelöst haben. Die Band um Rotschopf Rob Sullivan gab sichtlich alles und schien nicht gezeichnet von den Strapazen der vergangenen Wochen auf Tour zu sein. Beim abschließenden „Adhering To Superstition“ wurde die gesamte Band vom Publikum lauthals in den Schatten gestellt. Ich denke besser kann eine Show auf einer Abschieds-Tour nicht laufen. Carpathian hatten dem leider nicht mehr allzu viel entgegenzusetzen, zwar machte das Publikum hier auch ordentlich mit, aber der Saal war deutlich geringer gefüllt als noch zuvor bei Ruiner. Die Australier spielten ihre komplette neue 7“ „Wanderlust“, inklusive dem Joy Division-Cover „Shadowplay“ und die bekanntesten Songs ihrer „Isolation“ LP, allen voran „Cursed“, der beim Publikum sichtlich am besten ankam. Durchaus ein gelungener Abschluss für das The Rise Fest, welches aus meinen Augen ein voller Erfolg war. Zwar gab wie es gesagt ziemliche Probleme mit der Versorgung mit Essen, aber angesichts der guten Location und der großartigen Stimmung kann man darüber ruhig hinwegblicken. Da ist es auch kein Wunder, dass das Festival mit mehr als 400 Besuchern mehr als komplett ausverkauft war. Sollte es nächstes Jahr wieder ein The Rise Fest geben, was ich doch stark hoffe, dann sollte man doch ruhig mal nach Hannover fahren und sich das Spektakel angucken. Es lohnt sich!

Hurricane 2010 – Ein Rückblick

Hurricane 08 – Ein Rückblick
Hurricane 09 – Ein Rückblick

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Das Hurricane Festival startet 2010 in seine 14. Auflage und das mit einem grandiosen Line-Up für alle Geschmäcker: Neben Punkrock-Helden wie The Gaslight Anthem, The Get Up Kids oder Hot Water Music boten Bratze, The Prodigdy oder LCD Soundsystem feinsten Electro. Singer-Songwriter wie Jack Johnson, Frank Turner oder die Zwillinge Tegan and Sara verzauberten mit sanften Klängen die Zuhörer und Billy Talent, Revolverheld sowie Madsen boten das richtige Programm für die chartbegeisterte Jugend. Premiere hatte dieses Jahr die vierte, weiße Bühne, auf welcher Künstler wie Mr. Oizo, The Bloody Beetroots oder Boys Noize die Massen, auch noch nachdem Headliner wie The Strokes oder die Beatskeaks das Feld geräumt hatten, zum Toben brachten.
Hier eine kleine Zusammenfassung der drei überaus gelungenen Tage auf dem mit rund 70.000 Besuchern ausverkauftem Hurricane 2010!

Freitag

(Biffy Clyro, The Get Up Kids, Hot Water Music, Paramore, Enter Shikari, The Temper Trap, Tegan and Sara)

Nachdem Biffy Clyro fulminant das Festival eröffnet hatten war die Schmach, welche Deutschland im WM-Spiel wenige Minuten zuvor erlitten hatte, fast vergessen. Die Band aus Schottland war bereits 2007 beim Hurricane dabei, spielte damals aber auf der kleinen Zeltbühne. In diesem Jahr durften sie nun vor rund zweitausend Zuschauern spielen, bei denen wohl ein bleibender Eindruck geblieben ist.
The Get Up Kids waren als zweites an diesem noch recht sonnigen Tag an der Reihe und spielten ein dreißigminütiges Set aus allen ihren großen Hits: Los ging es mit Holiday und beendet wurde es mit Ten Minutes. Schade war nur, dass der Bereich vor der Bühne gesperrt und erst nach zwei Songs freigegeben wurde. Da hatte die Security wohl gepennt. Wie dem auch sei, ein gelungener Auftritt. So wurde die Band im Anschluss von Hot Water Music abgelöst. Die Punkrocker um Chuck Ragan gingen mächtig nach vorne und ließen den heraufziehenden Regenwolken kaum eine Chance sich auszubreiten.
Am späten Nachmittag gaben sich dann Paramore und Enter Shikari fast zeitgleich die Ehre auf der grünen und blauen Bühne, so dass man schon etwas unter Druck stand, wollte man von beiden Bands die entscheidenden Augenblicke mitbekommen. Fakt war aber, das solche Bühnen nicht für Enter Shikari geschaffen sind. Der Sound war nur mittelprächtig und Sänger Rou stampfte nur so durch die Gegend und wusste nicht so recht wohin. Hayley von Paramore hingegen lieferte mit ihren Jungs einen klasse Auftritt ab und hat mit ihren sympathischen Ansagen vollkommen begeistert. The Temper Trap wollte ich mir eigentlich nur ansehen, weil ich gerade nichts besseres zutun hatte und bereut habe ich es keineswegs, denn die Band aus Australien war wohl eine der größten Überraschungen an diesem Wochenende. Mit einer tollen Show und sehr intensiver Musik ließen die Jungs einen bleibenden Eindruck zurück. Unbedingt mal anhören, wenn ihr die Chance dazu habt! Nach einer Pause für die Ohren gab es am Ende des ersten Tages noch Tegan and Sara zuhören, während die Beatsteaks lautstark auf der Hauptbühne herumtobten. Die beiden Zwillinge aus Kanada jedoch zogen so viele Besucher auf ihre Seite, dass das Zelt in dem sie spielten bis zum Dach mit Menschen gefüllt war. Mit all ihrem famosen Liedern wie Ninenteen oder Walking With A Ghost, sowie vielen vom neuen Album „Sainthood“ überzeugten Tegan and Sara mindestens genau so, wie sie es schon beim Hurricane 2007 taten und waren damit ein krönender Abschluss für den ersten Tag.

Samstag

(The Blackout, Timid Tiger, Coheed and Cambria, Deftones, Jack Johnson Frittenbude, The XX)

Der Samstag begann mit erhobenen Stinkefinger, denn The Blackout aus England gaben sich mächtig angepisst, spielten aber feinsten Post-Hardcore der live ordentlich was her machte. Zwar kam das Publikum um 12 Uhr mittags noch nicht ganz so gut in Schwung, aber die Jungs machten ihre Sache gut und so gibt da eigentlich nichts zu meckern. Die am späteren Nachmittag auf der roten Bühne im Zelt spielenden Timid Tiger waren für mich neben The Temper Trap die Überraschung des Festivals, welche vor zwei Jahren noch Biffy Clyro waren. Die Indie-Rock/Pop Gruppierung aus Köln lieferte eine so quirlige und spaßige Show ab, dass man einfach nur mitmachen musste. Daumen hoch für diese Jungs und den überaus coolen, aus Indien stammenden Frontmann, der Witz an den Tag legte wie selten ein anderer auf diesem Festival. Kurz nach dem kleinen Abstecher an die Zeltbühne ging es auf der Grünen weiter mit Coheed and Cambria, welche so manchem ein Begriff sein dürften. Mir persönlich erschien die Show etwas eintönig, auch wenn die netten Gitarrensoli, welche teilweise mit den Zähnen oder gar mit dem Gitarrenkoffer ausgeführt wurden, sehr cool und lässig rüberkamen. Dennoch, Coheed and Cambria, sowie die danach spielenden Deftones schafften es trotz fast dauerndem Regen am Samstagnachmittag unzählige Menschen vom Campingplatz vor die Bühnen zu locken. Bei Jack Johnson aber brach die Sonne schon wieder durch und ich meine, bei den Songs vom ehemaligen Profisurfer aus Hawaii hat der Regen eh keinerlei Chance. Am Abend, nachdem Frittenbude ihre Show wegen zu großem Andrang an der weißen Bühne nach nur fünfzehn Minuten abbrechen mussten, begeisterten The XX mit einer unglaublich intensiven, wenn auch minimalistischen Performance knapp fünftausend Menschen vor der blauen Bühne. Dafür lässt man doch gerne mal Billy Talent oder Bonaparte links liegen, denn schon Crystalised als erster Song des überaus guten Sets überzeugte voll und ganz.

Sonntag

(The Hold Steady, Does It Offend You, Yeah?, The Gaslight Anthem, Donots, The Strokes)

Nach einer recht kurzen Nacht entschied ich mich Good Shoes links liegen zu lassen und mir The Hold Steady anzusehen, was sich auch durchaus gelohnt hat. Eine überaus sympathische Band, die live wirklich ihre Qualitäten hat. Leider sind die Jungs aus New York aber eine der Bands, die besser in kleine Clubs gehören, als auf die große Bühne, weil da doch zu viel Energie im leeren Raum verschwindet. Anschließend ging es zu Does it Offend You, Yeah? bei welchen man sich die ordentliche Portion Electro abholen konnte, welche man durch den Abbruch der Show von Frittenbude am Vortag nicht ganz bekommen konnte. Die fünfköpfige Band gab dabei sichtlicht alles und so auch das Publikum, welches nach dem halbstündigen Auftritt doch schon ganz schön aus der Puste war vom ganzen Rumspringen. The Gaslight Anthem, welche im Jahr zuvor noch den ersten Slot am Sonntag belegten und nur vor rund 500 Leuten spielten, schafften es am späten Nachmittag fast alle auf dem Gelände anwesenden Personen vor die grüne Bühne zu locken. Zwar machte Sänger Brian dieses Jahr noch weniger Ansagen als es das letzte Mal der Fall war, die Show war aber dennoch wirklich cool, so wie man es eben von der Band gewohnt ist. Neben zahlreichen neuen Songs vom Album „American Slang“ gab es auch alte Klassiker wie We Came To Dance auf die Ohren, was sicher so manchen Fan und Zuschauer gefreut haben mag. Insgesamt erschien mir der Auftritt aber zu routiniert, als das ich vollends begeistern war. In der Dämmerung gaben sich die Donots die Ehre, welche vor kurzem erst auf Tour mit Green Day waren. Die Band aus Ibbenbühren raste zwar förmlich durch ihr Set, welches von Whatever happend to the 80s bis hin zum aktuellen Calling reichte, wusste dabei aber mit Charme und Witz das Publikum um den Finger zu wickeln. Als letzte Band beim Hurricane 2010 gab es für mich The Strokes zu hören und die, ja man mag schon fast sagen legendäre Rockband, spielte in knapp anderthalb Stunden jeden ihrer großen Hits und da die Shows auf dem Hurricane und Southside Festival die einzigen dieser Band in Europa sind, war das gesamte Festivalgelände nahezu am platzen mit Menschen aus Groß Britannien, Dänemark oder den Niederlanden. Aber für eine der wohl besten Rockbands dieser Tage tut man wohl so einiges und das gab die Band mit einer überzeugenden Performance den Fans auch zurück.

Das Hurricane 2010 war ein überaus gelungenes Festival, zwar spielte das Wetter nicht immer mit, aber das tolle Line-Up begeisterte trotzdem. Für das nächste Jahr sollte man sich zwar vielleicht noch eine bessere Lösung für die weiße Bühne einfallen lassen, da der Andrang auf diese viel zu groß ist und das Zelt in dem sie steht einfach zu klein. Ansonsten habe ich aber wenig zu meckern, das Hurricane ist und bleibt zusammen mit dem Schwesterfestival Southside in meinen Augen eines der besten in Europa.

Bootboohook – Ein Rückblick

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Das Bootboohook Festival in Hannover am malerischen Ufer der Leine zählt zu den deutschen Indie-Festivals schlechthin. Für mich bildet es dieses Jahr den Abschluss der Festival-Saison, welche überaus großartig war. Letztes Jahr fand das vom deutschen Label Tapete-Reocords und dem Hannoveraner Musikzentrum Faust organisierte Konzert das erste Mal statt, damals konnten Top-Acts wie Anajo oder Superpunk bewundert werden und dieses Jahr setzten die Veranstalter mit den Headlinern Kettcar und Tocotronic sogar noch einen drauf. Auch mit kleineren Acts wie Bonaparte oder Tele wurden Zuschauer aus allen Himmelsrichtungen angezogen. So fanden sich auf dem Parkplatz nicht nur Autos mit Hamburger oder Berliner Kennzeichen wieder, sondern auch welche aus Rheinland-Pflaz und Hessen. Das Bootboohook bietet größtenteils feinste, deutsche Musik auf drei Bühnen. Meine Favoriten auf diesem Festival waren die grandiosen FOTOS und Mediengruppe Telekommander und ich wurde von beiden Bands keineswegs enttäuscht. FOTOS aus Hamburg sind in meinen Augen eine der besten Bands, welche die nationale Indie-Szene zu bieten hat. Die vier Jungs hatten eine wirklich wunderbare Setlist und haben die Menge in meinen Augen auch mehr zum Toben gebracht als die Headliner am Samstag, Kettcar. Mediengruppe Telekommander machen eine etwas andere Art des Indie. Rockiger und elektronischer kommt der Stil des Duos daher und das sie oftmals als deutsche Beastie Boys gehandelt werden ist gar nicht so verkehrt. Live sind die Berliner also auch wirklich nicht zu verachten. Bonaparte? Ich weiß nicht, was ich von diesen Menschen halten soll. Bei gefühlten 60 Grad im Inneren des Fast-Musikzentrums, wo sich die Trash-Punk-Indie-Electro-Formation mit einer schrillen und ziemlich skurrilen Show präsentierte, konnte ich es nicht wirklich lange aushalten. Das was ich gehört habe, traf auch nicht meinen Geschmack, aber die Show ist eindeutig einen Blick wert gewesen. Eine kleine Enttäuschung für mich war der Auftritt von Kettcar. So gut die Kritiken für ihre CD’s auch sein mögen und so toll ich ihr neues Album Sylt auch finde, live fehlt mir da irgendwie die Energie. Die Band um Mastermind Marcus Wiebusch machte einen müden Eindruck auf mich. Ganz anders Tele, die mit ihrem Indie-Pop und einfühlsamen Melodien sicher nicht nur mein Herz erobert haben. Außerdem ging Sänger Francesco überaus humorvoll an die Sache ran. Eine wirkliche Überraschung war die Band Montag. Vorher hatte ich noch nie von ihnen gehört, aber der lupenreine Pop den ich zu Ohren bekommen habe hat mich so überzeugt, dass ich so gleich das Album der Hamburger am Merchstand gekauft habe. Und am Ende muss ich natürlich noch etwas zu Tocotronic sagen. Wirklich beschäftigt habe ich mich mit dieser Band noch nie, ich habe vor Jahren auch lediglich in das Album „Pure Vernunft darf niemals siegen“ reingehört und damals hat es mir nicht zugesagt. Heute denke ich, dass Tocotronic es wirklich verdienen von vielen als eine der besten Indie-Pop-Bands aller Zeiten gehandelt werden. Eine großartige und emotionale Show, mehr kann man dazu nicht sagen. Es sich also gelohnt hat diesen August nach Hannover zu fahren. Die Atmosphäre und die Menschen auf dem Bootboohook waren einfach toll. Es gab viel zu sehen und viel zu hören und bereut habe ich im Endeffekt nichts von alle dem. Zwar fand ich wie gesagt Kettcar etwas enttäuschend und auch der Merchstand war etwas mickrig, aber das ist ja nicht alles an einem Festival. Das Gesamtbild sollte stimmen und das tat es hier zu 100%. Nächstes Jahr bitte wieder und wenn ich einen Wunsch äußern darf, hätte ich gerne Jupiter Jones und Mikroboy beim Line-up dabei, danke!