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Ein Jahresrückblick: 2009

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Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit zu reflektieren, was so alles passiert ist in den letzten zwölf Monaten. Den Anfang dieses, ich mag fast sagen glorreichen Jahres, überschattete ein nicht so erfreuliches Ereignis: Die Auflösung von Verse. Die Band galt als eine der Einflussreichsten und Besten ihrer Art und so war die Trauer innerhalb der Hardcore-Szene dementsprechend groß. Nichts desto trotz hieß es noch Vorne blicken, denn immerhin hatte das Jahr ja erst begonnen. Neben überaus guten Platten von The Blackout Argument und Ritual boten die ersten vier Monate auch wunderbare Konzerte von This Is Hell und Comeback Kid. Da war ein mehr als solider Grundstein für den Sommer gelegt. Jupiter Jones veröffentlichten im Mai eines der besten deutschsprachigen Alben des Jahres zusammen mit Captain Planet und Alexisonfire räumten im Post-Hardcore-Bereich ordentlich auf. Das Huriicane Festival in Scheeßel begeisterte mit Top-Acts wie Kings Of Leon, The Wombats oder Frank Turner und Have Heart begaben sich nach der Bekanntgabe ihrer Auflösung noch einmal auf eine weltumfassende Abschiedstour. Im August rollte dann eine Welle von Veröffentlichungen auf einen zu, denn Bridge9 Records aus Boston hatten dieses Jahr zu Ihrem gemacht eine Ladung neuer, grandioser Bands in den Kader aufgenommen. Als erstes wurden die Dead Swans ins Rennen geschickt, die mit ihren Debüt-Album überzeugende Arbeit leisteten. Soul Control und Ruiner mit ebenfalls mehr als soliden Alben zogen nach. Überschattet wurde das Ganze aber von einer Band, welche vorher niemand so recht auf dem Schirm hatte: Touche Amore. Mit ihrem ersten Album veröffentlichten die Kalifornier eines der Besten dieses Jahres und stellten damit so manche, längst etablierte Band in den Schatten. Aber auch Deathwish, das Label von Converge Frontmann Jacob Bannon, war nicht untätig und mit Veröffentlichungen von Lewd Acts im Sommer und den Belgiern Rise And Fall im Herbst sorgten sie ebenfalls für ordentlich Fuore. Touren wie die von den Gold Kids aus Italien oder von ClickClickDecker machten den Herbst zu einem konzerttechnischen Highlight. Das aber auch der Winter gewiss nicht die Zeit ist, um faul auf dem Sofa rumzuliegen und Unterschichtenfernsehen zu bestaunen, das bewiesen Bane und Defeater mit ihren neuen Seven Inches. Das vergangene Jahr bot also das ein oder andere Highlight und für jeden Geschmack sollte etwas dabei gewesen sein. Auch das kommende Jahr verspricht nicht im Schatten des vorherigen zu stehen, dann bereits im Januar werden Dangers ihr zweites Album veröffentlichen und im Sommer werden Crime in Stereo und Ceremony nachziehen. Auch The Carrier und Polar Bear Club stehen für ihre Touren durch Europa schon in den Startlöchern. Und wer weiß schon, was noch auf uns zu kommt. Wir dürfen also gespannt sein!

Großartigste Veröffentlichungen 2009:

Defeater – Lost Ground (Bridge9-Records)
Touche Amore – .. To The Beat Of A Dead Horse (6131 Records)
Strike Anywhere – Iron Front (Bridge9-Records)
Jupiter Jones – Holiday In Catatonia (Mathilda’s & Titus‘ Tonträger)
Bane – Dublin 11:58PM (Hurry Up! Records)

Von diesen Bands kann man 2010 eine Menge erwarten:

Title Fight (Run For Cover-Records)
Make Do and Mend (Panic Records)
More Than Life (Anchors Aweigh-Records)
Laura Mars (Superfluous-Records)
Lonewolves (Thirty Days of Night-Records)

Everything falls apart: Have Heart

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Es ist ein Jahr der Trauer für Fans des modernen oldschool Hardcore. Anfang des Jahres kündigten Verse ihre Auflösung an und nicht einmal drei Monate später zogen Have Heart nach. Verse haben ihre finale Show schon hinter sich, Have Heart befinden sich momentan auf Abschiedstour durch Europa und Asien und werden erst im Oktober ihre letzte Show spielen. Was für ein Schlag für die Szene, denn beide Bands gehörten zu den Besten ihrer Art. Über Verse habe ich nun vor einigen Monaten schon einen Artikel geschrieben und diesen widme ich nun den Jungs aus Boston. Have Heart gibt es seit nun schon sieben Jahren und in dieser Zeit hat es die Band geschafft sich vorzuarbeiten an die Spitze des Genres. Angefangen hat alles mit der Demo aus dem Jahr 2003, welche eigentlich mehr aus Spaß veröffentlich wurde, denn die Band war nur ein Hobby der Mitglieder. Nachdem die die Band ein paar wenige Konzerte gegeben hatte, wurde das Label Think Fast! Records auf Have Heart aufmerksam und so wurde eine erste EP im Jahr 2004 veröffentlicht, welche der Band einen kleinen Durchbruch an der Ostküste der Vereinigten Staaten brachte. Es folgten einige kleine Shows, unteranderem mit Good Clean Fun und der Band im Sänger Patrick Flynn wurde klar, das sie mehr Zeit in Have Heart investieren mussten. 2005 wurde eines der größten Hardcore-Labels auf Have aufmerksam, bei welchen in der damaligen Zeit viele große Bands wie Champion oder Give Up The Ghost unter Vertrag waren: Brige 9. Ein Jahr später veröffentlichten Have Heart auf diesem Label ein Album, welches ihnen weltweit Aufmerksamkeit verschaffen würde, welche viele Bands nicht einmal mit ihrem dritten Album bekommen haben (zB. Miles Away). „The Things We Carry“ gehört noch Heute zu den Meilensteinen des oldschool Hardcore und ist eines der grandiosesten Alben des Jahres gewesen. Gleichzeitig sorgte die Band für ein Explosion innerhalb der Szene, denn in den nachfolgenden Monaten schossen unglaublich viele Bands aus dem Boden, die es Have Heart gleichtun wollten, aber nur wenige schafften es überhaupt ein Album auf den Markt zu bringen und schon kaum an den Erfolg der Bostoner anzuknüpfen. 2007 tourten Have Heart zum ersten Mal durch Europa, unterstützt wurden die von der deutschen Band Ritual aus Recklinghausen. Beide Bands sind Heute noch immer befreundet und haben auch 2008 einige Konzerte zusammen gespielt. Das Jahr 2008 wurde ein aufregendes für die Band, nachdem es schon vorher einen Wechsel an der Gitarre gab stieg auch Drummer Justin Paling aus und wurde durch Shawn Costa von Verse ersetzt. Im Frühling des Jahres spielte die Band ihren zweiten Longplayer „Songs To Scream At The Sun“ ein. Man könnte fast sagen, dass es ein Konzeptalbum geworden ist, handelten die Songs auf dem Vorgänger noch über in der Szene typische Themen wie das straight-edge-Dasein oder Gewalt, geht es hier ganz anders zu. Die Songs erzählen eine Geschichte über einen Sohn, einen Vater und eine Familie, aber auch über Freundschaft und die Gewalt der Medien in der Geselschafft. Sänger Pat verarbeitet hier viele Dinge aus seiner Kindheit, was dieses Album emotionaler macht als „The Things We Carry“. Die Fans kritisierten, das auf dem neuen Album die Härte von des Vorgängers fehlen würde, aber dem Erfolg schadete das nicht. „Songs To Scream At The Sun“ schlug ein wie eine Bombe und zählt zusammen mit den Platten von Verse und Killing The Dream zu den erfolgreichsten Hardcore-Alben 2008. Nachdem Have Heart in den Monaten nach der Erscheinung des Albums mit Verse durch die USA und Europa getourt waren kam es zu Unstimmigkeiten innerhalb der Band. Einigen der Mitglieder wurde das ständige Touren, das wenige Privatleben zu viel. So kam es zur Auflösung und zur letzten Tour von Have Heart im Sommer 2009. Schon vor der Tour gingen Have Heart und Gitarrist Key Yasui getrennte Wege, Ersatz wurde mit dem Gitarristen von Shipwrek AD gefunden, da die Band Have Heart ohnehin auf der Abschiedstour begleitet. Geschockt waren die europäischen Fans, als herauskam das Pat Flynn bei den ersten Konzerten in Deutschland und Frankreich aus persönlichen Gründen nicht dabei sein wird und durch Sam von Tripple B Records ersetzt werden musste. Viele benutzten für die Band nun den Begriff „Fake Heart“ und die Enttäuschung stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Aber lange musste nicht gewartet werden und pünktlich zu den Festival-Shows in Deutschland war Flynn wieder an Bord und die Band konnte sich ein letztes Mal von ihren Fans feiern lassen. Have Heart haben es in den sieben Jahren ihres Bestehens geschafft an die Spitze der Szene zu klettern, Konzerte rund um den Globus zu spielen und Menschen zu begeistern. Sie werden vielen in Erinnerung und auch in den Ohren bleiben. Danke für Songs wie „Watch Me Rise“ und „Pave Paradise“, danke für die Konzerte und Momente.

So I say to the slaves of depression: carry on and sing the sweet redeeming song about living this life free and long
Watche me rise for Miles and miles

- Have Heart: Watch me rise

Alles hat ein Ende: Verse

Verse, das waren Sean, Zak, Eric, Shawn und Chris, die über Jahre hinweg die Hardcore-Szene geprägt haben. Zusammen mit Have Heart und Bane galten Verse als Begründer des modernen Hardcore.
Nun geht eine Geschichte zu Ende, welche vor sechs Jahren in auf Rhode Island ihren Anfang fand. Anfangs nur als Nebenprojekt gedacht, bekam die Band zu nehmend mehr Aufmerksamkeit, so wurde allen Mitgliedern früh klar, dass sie mehr erreichen können, wenn sie mehr Zeit in Verse investieren. So wurde nach der ersten Tour und dem Release einer Four-Song-Demo das Label Rivalry Records (Go It Alone, Killing The Dream) auf die Jungs aufmerksam und so hatten sie nach weniger als 2 Jahren Bandgeschichte ihren ersten Plattenvertrag in der Tasche. Ergebnis dieser Zusammenarbeit war das 2005 erschiene Album „Rebuild“. Dieses Album war der Grundstein, welcher Verse zum weltweitem Erfolg verhelfen sollte. Noch im gleichen Jahr begaben sie sich zusammen mit Another Breath auf Tour durch Europa. Knapp ein Jahr nach dem Release ihres ersten Albums befanden sich Verse erneut im Studio um ihren zweiten Longplayer „From Anger And Rage“ aufzunehmen, welcher erneut über Rivalry in die Welt getragen wurde, dieses mal war jedoch alles ein Stückchen größer. Aufgenommen wurde in New York City und getourt wurde mit Down To Nothing und Have Heart. „From Anger and Rage“ wurde in vielen Reviews als druckvollstes und authentischstes Hardcore-Album 2006 betitelt und genau das soll Hardcore, oder viel mehr Musik im Allgemeinen sein: Authentisch.

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Jetzt waren Verse nicht mehr zu stoppen und auch für das kleine Label Rivalry Records nicht mehr zu halten. 2007 wechselten Verse zu Bridge 9 (Have Heart, Terror) und über dieses Label erschien 2008 ihr bisher politischter und sogar fast epischer Longplayer „Aggrission“. Dieses Album war für viele Hardcore-Fans der Höhepunkt 2008, sogar von Kritikern wurde „Aggression“ dem fast zur selben Zeit erschienen „Songs to Scream At The Sun“ von Have Heart vorgezogen, doch niemand ahnte, dass dies wohl der Schwanengesang von Verse sein sollte. Noch ein mal begaben sich die fünf Jungs auf Tour durch die Staaten und Europa, begeisterten Tausende von Fans und gaben im Februar 2009 ihre Auflösung bekannt. Mit Verse geht eine Band dahin, welche das Bild des Hardcore in den letzten Jahren geprägt hat. Verse hielten die Fahne des politischen Hardcore hoch wie kaum eine andere Band, viel haben sie durch gemacht in den Jahren: 2004 würde ihr Van ausgeräumt und 2008 gab es einen Umbruch, weil der Bassist der Band das Straightedge-Dasein aufgeben hatte und Verse somit an Ansehen im Kern der Szene verloren hatten. Aber nichts davon hat die Band aufgehalten ihren Weg zu gehen und etwas aufzubauen, was viele in dieser Szene nie schaffen werden. Hier noch einmal das Statement zur Auflösung von Sänger Sean:

„This has been one of the most important things in our lives for quite a while now.
while it’s sad to see it come to an end, we‘re all glad we can look back on some great experiences we have had, and wonderful people we have met throughout the years.

We want to thank everyone who has been a part of this, good or bad. it’s been a pretty crazy trip.

Peace out.“

Ich denke Verse werden vielen Hardcore-Fans noch Jahre in den Ohren bleiben und zur Legende werden, so wie vor ihnen schon Go It Alone und Champion. Danke für all die großartigen Konzerte, für die aussagekräftigen und emotionsgeladenen Texte. Danke, Verse.

From anger and rage
comes rebillion
Your billboard’s temptation
Just a hangman’s noose
A constant campaign
To sell us your „truth“
Can‘t live life on our knees
Or believe lies we‘re fed
Won‘t let them get to us
The movement’s not dead

- Verse : From Anger and rage, 2006