Live Review: Loma Prieta und Birds In Row


Rot, Schwarz, Grün und Gelb: Farbe bekennen, das konnte man in Niedersachsen, und so auch in Göttingen, vergangenen Sonntag. Es waren nämlich Kommunalwahlen. Nicht gerade farbig aber war an diesem Tag der Himmel über Norddeutschland: Es goss aus Eimern und das eigentlich den lieben langen Tag. Damit man aber nicht in den eigenen vier Wänden stecken bleiben und Tatort gucken musste, konnte man im örtlichen Jugendzentrum zwei ohne Frage herausragende Bands bestaunen: Loma Prieta aus Kalifornien und Birds In Row aus Frankreich.
Birds In Row gastierten bereits im Frühling in der Universitätsstadt und hatten damals zahlreiche Gäste mehr als nur überzeugt, weswegen sie jetzt mit offenen Armen empfangen wurden. Die Franzosen servierten auch an diesem Abend äußerst druckvollen, düsteren Hardcore der hin und wieder gar zum Crust oder Sludge neigte. Ganz ohne Zweifel sind Birds In Row eine außergewöhnlich starke Liveband, die förmlich den Putz von den Wänden spielt und eine der wohl intensivsten Macharten modernen Hardcores auftischt, die man momentan in Europa zu hören bekommt. Leider gab es aber auch dieses Mal erneut technische Schwierigkeiten: War es im April der Bassverstärker, der am Ende des Sets den Geist aufgegeben hatte, so war es dieses Mal der Gitarren-Amp, der nicht so wirklich wollte. Nach knapp einer halben Stunde, die überwiegend mit Songs der 12“ „Cottbus“ gefüllt wurde, ging bei den Amps endgültig das Licht aus und das Publikum war wieder einmal beeindruckt. So musste die Band wiederwillens noch eine, wenn kurze, Zugabe spielen.
Loma Prieta waren das erste Mal in Göttingen zu Gast, zumindest teilweise. Gitarrist Brian war bereits im Juli mit seiner anderen Band Punch vor Ort gewesen und befindet sich anscheinend dauerhaft auf Tour. Im Gegensatz zu Birds In Row spielten Loma Prieta Screamo, und zwar im besten Sinne des Wortes: Schnell, brutal und emotional. So spielte man das Set aus elf Songs in knapp 20 Minuten runter. Das ist jedoch keineswegs schlecht, sondern zeugte von einer enormen Intensität. Dass am Ende dann eine Steckerleiste den Geist aufgegeben und den Bassverstärker sowie die Bühnenbeleuchtung gleich mit in die stromlose Finsternis gezogen hat, fiel da nicht allzu sehr ins Gewicht. Der Eindruck den Loma Prieta hinterlassen haben war, wie auch zuvor bei Birds In Row, ein bleibender.
Göttingen holt auf, was Konzerte angeht, das ist mir an diesem Abend bewusst geworden. Nachdem man im Frühjahr schon großartige Bands wie MNMNTS oder Julith Krishun zu Gast hatte, und im Sommer gar Punch, legte man nun noch einen drauf. Die Überschrift auf dem Flyer “probably the best lineup ever” halte ich zwar nicht für ganz berechtigt, aber sehr gut war es trotzdem. Von mir aus kann es gerne so weitergehen und das äußerst gut gefüllte Juzi sprach an diesem Abend wohl eine mehr als eindeutige Sprache.