Live Review: The Carrier, All Teeth, Landscapes

Das letzte Konzert einer zweiwöchigen Tour. Durch halb Europa gefahren. Jeden Abend gespielt, jeden Abend alles gegeben. Ist da noch eine Leistung zu erwarten, die zufrieden stellt? Das waren Fragen, die ich mir vor dem Konzert von The Carrier, All Teeth und Landscapes in Hannover stellte.
Der Sommer lies mal wieder zu wünschen übrig an diesem Freitag, die Ferien in Niedersachsen und einigen anderen Bundesländern neigten sich dem Ende zu und rund um Hannover hatte man mit enormen Staus zu rechnen. Auch Landscapes, die dummerweise die komplette Backline im Van hatten, wurden Opfer dieser Rückreisewelle. So konnte die Show leider erst am halb 11 beginnen, was ziemlich spät war. Die Briten spielten deswegen, und vielleicht auch wegen der Tour-End-Depression, nur fünf Songs. Die einen mögen behaupten, dass sei schwach gewesen, aber Landscapes gingen trotz sichtlicher Erschöpfung mit ganzem Einsatz in die Sache ran. Da war es kein Wunder, dass das vom Publikum mit Mosh-Pit und großem Applaus belohnt wurde. Aber schon hier war der Saal im UJZ Korn erhitzt bis unter die Decke, denn es waren erstaunlich viele Leute da, vergleicht man es mit anderen Konzerten in Hannover.
Nachdem man zwangsweise ein bisschen Luft nach diesem durchweg guten Auftritt geschnappt hatte, gaben sich All Teeth die Ehre. Im Vorfeld hatte ich nur Gutes über die Auftritte der Jungs aus Kalifornien gehört und war so sehr gespannt. Um so mehr überrascht war ich, als schon bei den ersten Riffs des Openers die Menge vollkommen am Toben war! Das habe ich bis jetzt selten bei einer Band erlebt, die zum ersten Mal in Europa auf Tour war. Schade war es da, dass gegen Ende des Sets, besser gesagt bei den letzten drei Songs, das Mikrophon den Geist aufgegeben hat und das ganze so zu einem Instrumentalkonzert wurde. Was aber auch durchaus gefallen hat, muss man schon sagen. Schade war es wie gesagt aber dennoch, auch wenn fleißig weiter gemoshed und die Band zurecht (!) gefeiert wurde.
Zum Schluss waren The Carrier an der Reihe und der Saal war gefüllt bis unter die Decke, zu gleichen Teilen mit Hitze, Schweiß und Menschen. Der Sänger von The Carrier, der schon zu vor bei All Teeth einen kleinen Gastauftritt und in der Menge ordentlich die Raserei ausgepackt hatte, war sichtlich angetrunken und war so kaum noch fähig, irgendeinen Song ohne lallende Töne zu produzieren. Muss das sein? Ein oder zwei Bier vor einem Auftritt sind vollkommen okay um sich etwas aufzulockern, aber muss es so viel sein, dass man alles kaputt macht, und das auch noch als Band und vor allem Hauptact des Abends, auf den sich viele gefreut haben? Ich glaube The Carrier haben den Aufdruck eines ihrer Shirt, „Drinking Crew“, viel zu ernst genommen an diesem Abend und das ist schade. So war der Auftritt leider nur enttäuschend und alles andere als gut.
Insgesamt aber war es dennoch eine der besseren Shows in Hannover, mit zwei guten Vorbands, die die Enttäuschung über die The Carrier mehr als wett gemacht haben.