Live Review: Polar Bear Club, Ceremony,

Nach mehreren verregneten und kühlen Tagen ist der Sommer pünktlich zum 1. August wieder nach Norddeutschland zurückgekehrt und, wie es der Zufall so will, spielten an diesem Tag auch noch Polar Bear Club und Ceremony im Chez Heinz in Hannover. Dabei stand der Auftritt von Polar Bear Club erst auf der Kippe, da der Van der Band sich zwei Tage zuvor in der sprichwörtlichen Luft aufgelöst hatte.
Gott sei dank aber hat sich schnell ein Ersatz gefunden und die Band konnte ihre Tour fortsetzen und so das Publikum in Hannover beglücken.
Bei einem solch tollen Line-Up, wie Pazzo Shows es hier aufgefahren hatten, ließ es sich doch glatt vergessen, dass Montag war, die neue Arbeitswoche gerade begonnen und man eigentlich jetzt schon kaum noch Lust hatte. Da bot es sich durchaus an „I am sick“ durch den Raum zu brüllen. Bevor Ceremony aber den Laden ordentlich zum Beben brachten, lieferten Whales Island eine mehr als solide Show ab. Anders als beim The Rise Fest im März, wo die Band, wohl aufgrund des verregneten sowie düsteren Wetters und der anderen, etwas härteren Bands nicht ganz ins das Programm gepasst hat, fügten sich die Italiener mit ihrem melodischen Hardcore perfekt zwischen Man Overboard und Polar Bear Club ein. Leider war der Sound etwas matschig geraten, was ein kleiner Wermutstropfen war. Nichtsdestotrotz ein gelungener Auftakt für diesen Abend, der genau richtig war, um das Publikum einzustimmen.
Als nächstes waren nun Man Overboard an der Reihe. Keine andere Band steht wohl für jüngste das Pop-Punk-Revival wie die Jungs aus New Jersey und wer seine Shirts mit „Defend Pop-Punk“ bedruckt, der meint es verdammt ernst. Mit überdurchschnittlich vielen Gitarristen auf der Bühne konnten die Jungs das Publikum aber irgendwie nicht so richtig fesseln, was sehr schade war. Außer bei „Driveway“, „World Favorite“ und „She‘s Got Her Own Man Now“ war wenig Interaktion von Seiten des Publikums zu verzeichnen. Dabei passt eigentlich keine Musik besser zu einem solch sommerlichen Tag wie die von Man Overboard. Trotzdem ein guter Auftritt der Band, der rund um gelungen gewesen wäre, hätte das Publikum etwas mehr Präsens gezeigt.
„We are Ceremony from Rohnert Park, California.“ Mehr als diesen Satz brauchte Frontmann Ross Farrar nicht, um die Menge vor der Bühne zum Toben zu bringen. Und sie tobte richtig! Es war voraussehbar, dass „Sick“ als Opener kommen würde und so ging man natürlich gleich auf‘s Ganze, Band wie Publikum. Und wenn man dachte, die Stapelung (bitte wörtlich nehmen!) von Menschen vor der Bühne wie bei eben diesem Opener wäre nicht mehr zu toppen, dann belehrte „Open Head“ einen eines Besseren. Ungewöhnlich zurückhaltend ging es hingegen bei den älteren Songs der Band zu. Bis auf „Pressure“ und natürlich „This Is My War“ wurde keiner der Klassiker wirklich abgefeiert. Schade eigentlich, und auch das abschließende „The Doldrums“ wirkte irgendwie deplatziert. Aber das sei dieser grandiosen Band verziehen, denn erstklassig war der Auftritt ohnehin.
Polar Bear Club hatten anschließend ein schweres Los: Die Band durfte den Laden wieder zusammenflicken, nachdem Ceremony ihn teilweise echt ruiniert hatten (die armen Scheinwerfer und Rohre an der Decke). Aber die Jungs aus Rochester, New York taten ihr Bestes und es gelang ihnen. Die Setlist war, trotz eines kleinen Stromausfalls in der Mitte, der im wahrsten Sinne des Wortes etwas die Energie aus der Show genommen hatte, nahezu perfekt: „Parked In The Parking Lot Of Your Heart“, „Light Of Local Eyes“, „Burned Out In A Jar“, alles war dabei. Klar, irgendjemanden gibt es immer, der etwas auszusetzen hat, aber Polar Bear Club machten ihr Ding mehr als gut. Eine sehr sympathische Band, die Stimmung machte und restlos überzeugte. Aber was will man auch erwarten? Wer inzwischen seine dritte Europatour spielt, sein drittes Album in den Startlöchern hat und immer mehr als nur überzeugt, der kann gar nicht enttäuschen.
Zieht man nun einen Strich unter den Abend, so war das ohne Frage eine der besten Shows in Hannover in der letzten Zeit, mit tollen und durchweg sympathischen Bands und einem gut gefüllten Chez Heinz. Beide Daumen hoch!