Live Review: Punch, Unrestrained, Sailing On

Göttingen ist keine Stadt der großen Konzerte, besonders nicht wenn es um Hardcore geht. Selten verirrt sich eine Band hier her, die international bekannt ist und die hiesigen Locations füllen kann. Als Fan dieser Musik muss deswegen meistens auf Städte wie Hannover oder Kassel ausweichen, die Gott sei dank im näheren Umfeld liegen.
An diesem Donnerstag aber musste man mal nicht in Auto oder Zug steigen, sondern konnte sich beherzt auf seinen Drahtesel schwingen, durch die Altstadt radeln und den Abend im Theaterkeller verbringen, denn hier gab es Hardcore aller erster Güteklasse zu bewundern: Sailing On, Unrestrained und nicht zu letzt die überaus guten Punch.
Wer jedoch in Göttingen auf Konzerte geht, der sollte gewarnt sein: Die Zeiten auf den Flyern stimmen nie! Als geübter Konzertgänger in der Universitätsstadt habe ich eine eigene, kleine Formel entwickelt: Zeit auf dem Fyler + Zwei Stunden = Beginn des Konzerts. Das stimmt in der Regel auch, heute war der Beginn laut Flyer um 21 Uhr, los ging es aber erst um kurz vor 11. Aber das ist ja auch egal, immerhin muss sich der Laden ja auch erst füllen, was in Göttingen, selbst bei solch guten Bands, immer wieder zum Problem wird. Als Sailing On ihr Set begannen, war der Raum zwar schon gut gefüllt, aber zwanzig Leute mehr hätten es schon sein dürfen. Trotzdem, die Band aus Karlsruhe überzeugte. Melodischer, female-fronted Hardcore, irgendwo zwischen Verse und Mitten-Auf-Die-Fresse. Mit dabei hatte die Band auch eine Hand voll neuer Songs des ersten Albums „Hinterland“, welches man sich als kleine, liebevoll gestaltete Tour-Version gleich mitnehmen konnte. Insgesamt überzeugten Sailing On und ich bin mir sicher, dass die Band noch viele Freunde auf kommenden Konzerten finden wird, denn solch passionierten Hardcore hört man gerne.
Unrestrained hingegen spielten ihr Set mit einem kleinen Wermutstropfen, denn es ist die letzte Tour der Band. Ich persönlich fand das sehr schade, denn was die Jungs aus Vermont ablieferten war unglaublich gut (inklusive halsbrecherischer Stunts!). Eine solche Band hätte mehr verdient, denn Unrestrained hatten, und davon bin ich nach diesem einen Auftritt mehr als überzeugt, Klasse und Talent es weit zu bringen, auch hier in Europa. Tolle Ansagen, die nicht nur ein paar Worte beinhalteten die eh jeder sagt, um die Pausen zwischen den Liedern zu füllen sind nur ein Punkt, warum diese Band für mich die Überraschung überhaupt an diesem Abend war, von der Musik mal ganz abgesehen. Schade drum, aber bekanntlich müssen alle guten Dinge ja mal zu einem Ende kommen.
Kommen wir nun aber zu Punch, die ohne Frage das Highlight dieses Abends waren. Die Band aus dem Westen der Vereinigten Staaten war fast genau einen Monat auf Tour in Europa, hat unzählige Shows gespielt und an diesem Abend mit so manchem Soundproblem zu kämpfen. Nichtsdestotrotz gab man alles und begeisterte. Wer Punch schon einmal gesehen hat wird wissen, was ich meine. Schon im letzten Jahr, als Punch mit Comadre unterwegs waren, hat sich die Band viele Freunde und Fans gemacht. In diesem Jahr aber wird sich die Menge dieser wahrscheinlich noch verdoppelt haben. Schneller Hardcore-Punk, druckvoll, aggressiv aber auch emotional, gespielt von fünf sympathischen Menschen. Was gibt es besseres?
Das einzige, was diesen Abend hätte noch gelungener machen können, wären ein Publikum gewesen, dass den Bands eventuell etwas mehr Feedback, abgesehen von Kopfnicken und Applaus, gegeben hätte. Aber man kann ja auch nicht alles haben, oder? Dennoch hat es Spaß gemacht, wenn ich auch eine Band für mich entdeckt habe, die ich wohl nie mehr live erleben werde.